Die Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit

Aus Niedersachsen nach Auschwitz

Ausstellung Stadtmuseum Oldenburg vom 20. Februar bis zum 19. März 2017
Di – So, 10 – 18 Uhr geöffnet. Montag geschlossen.

Eröffnungsveranstaltung

Am 20. Februar 2017 um 18.00 Uhr, Stadtmuseum Oldenburg
Am Stadtmuseum 4 – 8, 26121 Oldenburg
Begrüßung Frau Bürgermeisterin Christine Wolff
Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V. und
Freundeskreis der Sinti und Roma in Oldenburg e.V., Christel Schwarz

Die Verfolgung der Sinti und Roma in Oldenburg.

Vortrag Dr. Hans Hesse

Einführung in die Ausstellung

Boris Erchenbrecher, Historiker

Musikalische Begleitung

Ensemble „Sinti-Swing Oldenburg“

Zusatzveranstaltungen siehe PDF

Die Ausstellung

Im März 2017 jährt sich die große Deportation der Sinti und Roma aus dem Deutschen Reich in das „Zigeunerfamilienlager“ in Auschwitz-Birkenau. Die letzte Stufe ihrer Verfolgung durch das NS-Regime, der planmäßige Genozid, begann. Unter den über 13.000 deportierten Männern, Frauen und Kindern waren auch mindestens 700 Sinti aus Niedersachsen. Die Ausstellung nimmt den Jahrestag zum Anlass, um an das Schicksal der niedersächsischen Sinti unter dem NS-Regime zu erinnern.

Die Ausstellung zeigt die verschiedenen Stufen und die Besonderheiten der Verfolgung der Sinti und Roma. Bereits 1938 und 1940 erfolgten planmäßig Verhaftungswellen, die für viele den Tod in Konzentrationslagern zur Folge hatten. Eingegangen wird auch auf die Problematik der Bestrafung der Täter und der Wiedergutmachung für die Opfer. Auch die Geschichte der „Zigeuner“ vor dem Nationalsozialismus wird anhand niedersächsischer Quellen dargestellt.

Gezeigt werden Dokumente, Schriftstücke und alte Fotografien, die von der Ausstellung erstmalig 2003 veröffentlicht wurden. Eine große Anzahl Zeitzeugen aus niedersächsischen Städten kommt auf den ausgestellten Tafeln zu Wort. DVD-Installationen zeigen Interviews mit Überlebenden und Arbeiten von Schülern.

Themen der Tafeln der Ausstellung

  • Geschichte der „Zigeuner“ in Niedersachsen
  • Leben und Arbeit in den zwanziger Jahren
  • „Zigeunerforschung“ in der NS-Zeit
  • „Erfassen“ und „Festsetzen“ als Voraussetzung der Deportation
  • Zwangsumsiedlung in kommunale Sammellager
  • Zwangssterilisationen an Sinti und Roma Juni 1938.
  • „Aktion Arbeitsscheu Reich“
  • Der polizeiliche Verfolgungsapparat
  • Die Deportation in das besetzte Polen 1940
  • Die Auschwitz-Deportation vom März 1943
  • Leben und Sterben im „Zigeunerfamilienlager“ in Auschwitz-Birkenau
  • Sinti-Kinder als Deportationsopfer
  • Jugendliche Sinti in „Arbeitserziehungs- und Jugendschutzlagern“
  • Die finanzielle Ausplünderung der Deportierten
  • Spätere Deportationen nach Auschwitz
  • Protest und Hilfe
  • Überleben im Untergrund
  • Vernichtung und Überleben durch Arbeit
  • Das Inferno: Sinti und Roma in Bergen-Belsen
  • Der Umgang mit den Tätern nach 1945
  • In der Nachkriegszeit: Wiedergutmachung für die Opfer? ...und heute?

Anmeldungen

Schulklassen und Gruppen können sich für kostenlose Führungen durch einen Historiker anmelden.

Beratungsstelle für Sinti und Roma: 0511-79 60 61 oder 0157 - 74 50 33 27
oder 0157 - 74 50 33 27 - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kontaktadressen:

Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V. Schaumburgstr. 3 - 30419 Hannover Tel. 0511/79 60 61 - Fax 0511/79 10 70

Freundeskreis für Sinti und Roma in Oldenburg e.V. - Münichstraße 37, Tel. 0171- 777 00 78 - E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Förderverein internationales Fluchtmuseum e.V. Cloppenburger Straße 109, 26135 Oldenburg Mobil: 0157 - 74 50 33 27 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! - www.fluchtmuseum.de

Die Ausstellung in Oldenburg wird gefördert von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten

Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V. in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Universität Hannover

Veranstalter*in: Freundeskreis für Sinti und Roma in Oldenburg e.V. und Förderverein internationales Fluchtmuseum e.V.

Gedenktag 27. Januar 2017

Veranstaltungshinweise zum Internationalen Tag
des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

Hier sind die im Internet gefundenen Termine, die neben unserer Veranstaltung am 27.01.2017 (der Kranzniederlegung am Gedenkstein am Friedhofsweg und einer Veranstaltung diesmal im Hüppesaal des Stadtmuseums) in Oldenburg stattfinden.

Der Veranstaltungsflyer aus Bremen ist hier herunter zu laden (Termine ab 11.01.2017).
Wem Hamburg nicht zu weit ist: hier der Flyer Woche des Gedenkens


 Sonntag 06.01.2017 | 20:00 – 22:00, Bei Beppo, Auguststr. 57, Oldenburg

Filmveranstaltung Olga Benario

Olga Benario ist 31 Jahre alt, als sie ins KZ Ravensbrück kommt. Ravensbrück liegt bei Fürstenberg/Havel in Brandenburg, ca. 1 Stunde von Berlin. Ravensbrück, das steht für das größte Frauenkonzentrationslager im Deutschen Reich. In unmittelbar Nähe liegt das für junge Mädchen eingerichtete KZ Uckermark. 34 Jahre alt ist Olga, als sie mit jüdischen Mithäftlingen in die „Heil- und Pflegeanstalt“ Bernburg verbracht und vergast wird.

Veranstalter*in: DKP Oldenburg dkp-oldenburg.de/


 

Samstag 21.01.2017 | 10:00 – ca.16:00 Uhr – Gedenkstätte Esterwegen,
Hinterm Busch 1, 26897 Esterwegen

Gedenktag Esterwegen - Erinnerung an ein KZ im ver.di Bezirk Weser-Ems

Am 27.01.1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit und ist bis heute ein Symbol für den Holocaust in Europa. Das Vernichtungssystem schlug sich in allen Teilen des gesellschaftlichen Lebens nieder und die rund 1000 Konzentrations- und Nebenlager verteilten sich über das gesamte Deutsche Reich und die besetzten Gebiete. Auch im Landkreis Emsland, wo wir täglich arbeiten, spazieren gehen oder politisch aktiv sind, hat der Nationalsozialismus Spuren hinterlassen. Am 21.01.2017 wollen wir die Gedenkstätte Esterwegen - 50 Kilometer entfernt von Oldenburg - besuchen. Es wird Raum geben für die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Lager in Weser-Ems, dem Gedenken an die Opfer und einer Reflexion der Erinnerungskultur heute.

Anmeldung bis 13.01.2017: www.verdi.de/esterwegen, Infos: 0441 98 08 05-0
Der Tag wird von den pädagogischen Mitarbeiter_innen der Gedenkstätte begleitet. Wir erarbeiten uns durch Vorträge, eine Führung übers Gelände und den Besuch der Ausstellung gemeinsam die Geschichte. Ein kleiner Mittagsimbiss ist ebenfalls eingeplant.

Treffpunkt um 10:00 Uhr vor dem Eingang der Gedenkstätte. Die Anreise ist selbst zu organisieren.

Veranstalter*in: Gewerkschaft Verdi Oldenburg


Donnerstag 26.01.2017 | 19.00 Uhr, Café Herz, Stedinger Straße 26, Oldenburg-Osternburg

Das Phänomen Anne Frank

 David Barnouw, Amsterdam/NL, kommt nach Oldenburg!

 

Anne Frank, 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet, ist das wohl bekannteste Holocaust-Opfer. Ihr Tagebuch ist weit über 20 Millionen Mal verkauft worden. Etwa eine Million Menschen besuchen jährlich das Hinterhaus in Amsterdam, in dem sich die Familie Frank von 1942 bis 1944 versteckt hielt. Der Historiker David Barnouw ist Mitherausgeber der wissenschaftlichen Ausgabe von Anne Franks Tagebuchtexten und beschäftigt sich seit vielen Jahren umfassend mit Anne Frank. Er zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich das Schicksal des von den Nazis ermordeten jüdischen Mädchens in der Nachkriegszeit dargestellt wurde. Das Tagebuch der Anne Frank ist in verschiedenen Fassungen publiziert worden, und man hat Anne Franks Leben und Schicksal immer wieder anders verstanden und politisch instrumentalisiert. So nahm man Anne Frank in den ersten Jahrzehnten nach dem Erscheinen des Tagebuches nicht als junge Jüdin, sondern als ein unter anonymen Bedrohungen stehendes Mädchen wahr. In der DDR erschien eine Dokumentation der DEFA, die sich nicht mit der Person selbst, sondern mit den kapitalistischen deutschen Kriegs-verbrechern beschäftigte. Immer wieder wurden in der Bundesrepublik und in anderen Ländern auch Stimmen laut, die öffentlich Zweifel an der Echtheit des Textes äußerten.

Das Buch stellt Wahrnehmung und Wirkung Anne Franks umfassend dar und fragt nach den Motiven hinter den vielen Projektionen.

Eintritt frei, Spenden willkommen

Veranstalter*in: Förderverein internationales Fluchtmuseum e.V. www.fluchtmuseum.de/


Freitag, 27.1.2017 |12.00 Uhr, Gedenkstein, Friedhofsweg beim ehemaligen Ziegelhof

Treffen am Gedenkstein

zur Erinnerung an die 74 von den Nationalsozialisten deportierten und ermordeten Oldenburger Sinti und Roma und aller Opfer des Holocaust,

anschließend ab 14.00 Uhr | Hüppesaal im Stadtmuseum


 

Freitag, 27.1.2017 | 18.30 Uhr, Forumskirche St. Peter

„Zuflucht“

Ökumenisches Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Veranstalter*in: www.forum-st-peter.de/


Sonntag, 29.01.2017 | 11:15 Uhr, Muvi 12€ inkl. Imbiss, Bahnhofstraße 11 Filmmatinée

Die Widerständigen „also machen wir das weiter ...“

Deutschland 2015, 87 Min.
Regie: Ula Stöckl & Katrin Seybold

Veranstalter*in: Kino CineK, akademie-oldenburg.de   Gesellschaft für Christl.-Jüd. Zusammenarbeit Oldenburg e.V.


Mittwoch, 25.01.2017 | 10:00 - 11:30 Uhr, Kulturzentrum PFL
Living History

Auf einmal ist Geschichte
so nah!

Schülerinnen und Schüler des Herbartgymnasiums präsentieren ihre Forschungen zur NS-Euthanasie in Oldenburg und geben Einblicke in ihre Beweggründe und Erkenntnisse. Begleitet hat sie bei ihrer Arbeit der Historiker Ingo Harms.
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Freitag 27.01.2017 | 19:00 Uhr Kulturzentrum PFL
Living History

Die Verbrechen an Kindern
in der NS-Zeit

Den NS-Programmen zur Vernichtung »lebensunwerten Lebens« vielen bis 1945 mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche zum Opfer. Sie wurden für Experimente missbraucht und ihre Organe für Forschungszwecke verwendet.
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Dienstag 31.01.2017 | 19:00 Uhr Kulturzentrum PFL
Living History

Von der NS-Euthanasie bis
zur aktuellen Debatte um Sterbehilfe

Seine Forschungen, vor allem zur Medizin im Nationalsozialismus, machen Dr. Michael Wunder zum Kritiker in den Debatten um Sterbehilfe. Im Anschluss an seinen Vortrag erläutert er seine Haltung im Gespräch mit dem Historiker Dr. Ingo Harms.

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Mittwoch 01.02.2017 | 19:00 Uhr, Casablanca
Living History

Ich werde nicht schweigen

Sondervorführung einer ZDF/Arte Spielfilm-Produktion zur NS-Euthanasie. Im Anschluss diskutieren die Regisseurin Esther Gronenborn und der Historiker Dr. Ingo Harms über die Euthanasie im Nationalsozialismus, den Film und die Dreharbeiten in Wehnen.

Veranstalter*in der Living History: Stadt Oldenburg, Kulturbüro, Projektleitung Erinnerungs- und Gedenkkultur www.oldenburg.de/kultur und Gedenkkreis Wehnen e.V. www.gedenkkreis.de

Programm LIVING HISTORY 1 und 2


Von Opfern, Zivilcourage und Überforderung,

Lebend(ig)e Geschichte(n)

Die deutsche Erinnerungskultur verändert sich, auch durch den Wandel unserer Gesellschaft in eine Migrationsgesellschaft. Unser Geschichtsnarrativ ist nicht mehr das einzig gültige. Die Perspektiven von Geschichtsschreibung sind kulturell differenzierter und die Geschichtsvermittlung in der politischen Bildung ist interkulturell.
Die Beschäftigung mit dem Holocaust kann dabei über unterschiedliche nationale Geschichtskulturen hinweg zum gemeinsamen Referenzpunkt werden, wenn es darum geht die Mechanismen zu verdeutlichen, unter denen eine Gesellschaft verbrecherisch wird und ihre Übereinkünfte darüber aufgibt, was gut, böse, rechtens und kriminell ist.
Das Projekt „Von Opfern, Zivilcourage und Überforderung“ beginnt im Januar mit der Ausstellung „Deine Anne, ein Mädchen schreibt Geschichte“ und wird bis Juni in unterschiedlichen Formaten einen Bezug zu der heutigen Situation von Flucht, Zuwanderung und Abschiebung herstellen. Themen sind u.a. Zivilcourage, Rechtsradikalismus, demokratische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Veranstalter*in der Lebend(ige) Geschichte(n): Jugendkulturarbeit Oldenburg e.V., cine K, Förderverein internationales Fluchtmuseum e.V

Programm Lebend(ige) Geschichte(n)

 

Film Uppbrott und Katitzis Kommentar

Wenn ihr den perfekt restaurierten Film von 1948 seht und vorher den Text aus dem 13. Buch Katarina Taikons mit dem gleichnamigen Titel: "UPPBROTT" vergleicht, bekommt ihr eine Ahnung, was die Bücher für Kinder und Jugendliche ausmachten.

(Arne ist der Regisseur Arne Sucksdorff)

S.27-29 „Wie eine Blume!“ Arne zeigte, wie er sich die Tanzbewegungen vorstellte, streckte die Arme nach oben und ließ sie sich langsam ausbreiten in dem Versuch, die Bewegungen eines sich öffnenden Blütenblattes nachzuahmen, während er sich gleichzeitig ungeschickt im Kreise drehte. Mit der Pfeife im Mund und dem Manuskript in der Hand glich er am allerwenigsten einer taufrischen, knospenden Rose, die sich in der Sonne voll entfaltet. Die Choreografin, würdevoll wie eine Königin, konnte sich das Lachen verkneifen. Aber nur mit Mühe.
„Mädchen“, sagte Arne. „Dies ist Birgit Cullberg. Sie soll euch Romatänze tanzen lehren.“
„Du bist nicht klug, du. Sie ist doch keine Roma. Sie ist ja eine Gadsche (gaji). Sie kann uns doch nicht unsere Tänze lehren“, rief Katitzi aus. Rosa war auch verwundert, aber sie sagte nichts.
Birgit Cullberg sah selber skeptisch aus.
„Niemand hat bisher einen solchen Film gesehen wie den, den wir machen. Der wird perfekt werden, glaubt mir. Birgit ist eine Toppkraft. Sie wird Wunder bewirken. Glaubt mir.“
Arne schaute sie treuherzig an.
 „Oj, oj. So was habe ich schon mal gehört“, brummelte Katitzi.
 „Das Mädchen hat recht. Ich bin keine Romnja und auch keine Expertin für Romatänze. Aber wir können das Beste aus der Situation machen.“
Birgit setzte das Grammofon in Gang, und ein ungarischer Csardas erfüllte den Raum mit Musik.
 „Fang an, Katitzi.“
Und Katitzi tanzte einen ‚romano kelimos’, einen Romatanz. Arne räusperte sich.
 „Naja, das ist nicht so ganz das, was ich mir gedacht habe. Du verstehst, ich arbeite mit einer Blume, parallel zu Katitzis Tanz. Die sollen gleichzeitig ausschlagen…“
„Jaaah, ich glaube, ich verstehe. Arne, lässt du mich bitte das Manuskript sehen?“
Zur Überraschung von Katitzi und Rosa schien Birgit zu verstehen, worüber Arne sprach.
„Tja, das Manuskript ist noch nicht ganz fertig.“ Arne wand sich. „Ich glaube, wir sollten improvisieren, wenn wir es mit einem Naturvolk zu tun haben…Aber du kannst die Blume sehen…“
„ Er spinnt“, flüsterte Katitzi.
„Er ist Künstler. Du weißt…“
„…dass die spinnen, ja.“
 
Langsam verließ Arne sie, und Birgit setzte das Grammofon wieder in Gang.
„Das ist keine Roma-Musik. Das ist ungarische…“
„ Ja, natürlich ist das ungarisch. „ Birgit zögerte etwas. „Ungarischer Csardas…Romamusik.“
„Denk mal, das stimmt nicht. Ich will eine ‚hopptja’ tanzen, und Paul soll spielen. Willst du das nicht auch, Rosa?“
Rosa und Birgit sahen einander an und nickten übereinstimmend.
„ Wir haben dabei nicht so viel zu sagen. Der Regisseur entscheidet, und er weiß, was er will.“
Katitzi fand sich in das Unausweichliche. Auf den Knien liegend, zusammengekrümmt, den Kopf auf den Boden gebeugt, hatte sie im Rhythmus der Musik mit den Armen zu wehen und zu schweben, sukzessiv, wie aus einem langen Schlummer erwachend den Kopf zu heben, eine Blume nachzuahmen. Sie sah auf, und ihr Blick erreichte das Fenster. Davor drängten sich Roma. Sie sahen misstrauisch, zweifelnd auf sie.
Katitzi brach in Lachen aus.
„ Ein Schritt Hollywood näher. Die Angebote werden nach diesem Tanz auf mich regnen.“
S.46f
An diesem ersten Tag gab es viele Unterbrechungen. Die meisten hatten verschiedene Auffassungen davon, wie der Film gemacht werden sollte. Der eine sagte hü und der andere hott, und der Regisseur versuchte vergeblich zu erklären, dass er der Regisseur war. Er und niemand anderes.
Aber die Roma konnten diese Tatsache nur schwer einsehen. Der Punkt war doch, meinten sie, dass der Film von Roma handeln sollte. Wer wusste mehr über Roma, Gadsche oder ‚le rom’. Die Antwort war doch klar, fand man. Die Gadsche teilten die Auffassung der Roma nicht. Wir können Filme machen, sagten sie. Aber ihr wisst nichts über Roma, sagten die Roma. Der Gadsche zuckte mit den Achseln und meinte, dass die Roma keinen Deut von künstlerischer Freiheit verstünden.
„Wir machen keinen Film für ein ethnografisches Museum, dies ist eine freie künstlerische Schöpfung.“
„Aber das soll doch von Roma handeln?“


 Text der schwedischen Seite "übersetzt":

Als der legendäre Dokumentarfilmer Arne Sucksdorff "Aufbruch" im Jahr 1948 aufnahm, war er der erste schwedische Regisseur, der einen Oscar erhielt für die impressionistische Kurzfilm "Die Menschen in der Stadt", die das Leben in Stockholm auffing. Nun wollte er einen Film über ein Roma-Lager machen und kam in Kontakt mit der sechzehn Jahre alten Katarina Taikon. Später würde sie als politische Aktivistin für die Rechte der Roma und als die gefeierte Autorin von Kinderbüchern bekannt sein, aber hier ist sie das Mädchen, das barfuß am Lagerfeuer tanzt. Es ist schwer, die Augen von ihr zu nehmen; um sie herum ist ein Licht und eine Vitalität, die Sucksdorff durch Querschnitt ihres Tanzens mit Nahaufnahmen von Blumenöffnung verstärkt.

Der Film beginnt mit dem Lager in der Nähe der Årsta-Brücke in Stockholm Banken. Während ein durchgebrannter Motor gewartet wird, spielen Männer  Kartenspiele und Musik und die Frauen beginnen zu tanzen. Ein eher unproblematisches Bild des Roma-Lebens, voller Wärme und Gemeinschaft  über die Generationen hinweg. Später bieten Katarina Taikon ein viel grimmigeres Bild des Aufwachsens als Roma in den dreißiger und vierziger Jahren Schwedens: Der Familie wurde keine feste Wohnsitz geboten und musste alle drei Wochen umziehen, die Kinder durften nicht zur Schule gehen, und im Winter war es schrecklich kalt in den Zelten. Es dauerte bis 1959, bevor Roma das Recht auf Wohnung und Schule hatten, aber Vorurteile und Unterdrückung wird nicht über Nacht verschwinden. Katarina Taikon war in den sechziger und siebziger Jahren ein bekannter Sprecherin für die Rechte der Roma und die autobiografischen Kinderbücher über Katitzi schrieb sie in der schwedischen Literaturgeschichte.

"Aufbruch" wurde vor Ingmar Bergman "Thörst" gezeigt, die Premiere war Weihnachten 1948. Katarina Taikon spielte in mehreren Filmen in den fünfziger Jahren, aber der Film "Aufbruch" war in mehrfacher Hinsicht wichtig. Lawen Mohtadi sagt in ihrem Buch über Katarina Taikon, "Der Tag werde ich frei sein" (Natur und Kultur, 2012), die Dreharbeiten von "Aufbruch" ermöglicht es für Katarina Taikon sich von dem Mann, den sie zwei Jahre zuvor sie geheiratet hatte, zu trennen. Die junge Frau, die um ein Lagerfeuer tanzt wird bald frei sein in die Welt zu gehen und sich erkennen.

Erinnerungsgang an den Weg der jüdischen Oldenburger am 10. November 1938

Wir möchten hier an den Erinnerungsgang am Donnerstag, den 10. November hinweisen und das umfangreiche Programm aufzählen, das die  Berufsbildenden Schulen Haarentor in Kooperation mit dem Arbeitskreis Erinnerungsgang konzipierten.

Wir freuen uns über eine eventuelle Zusammenarbeit mit der Integrierten Gesamtschule Kreyenbrück, die die Gestaltung des Erinnerungsgang 2017 übernimmt. Dies als Ergebnis der Kreyenbrücker Gemeinwesenarbeit, in der wir die Kontakte knüpften.
Im ersten Aufruf von 1981 von Manfred Reck und Klaus Dede werden Sinti als "Zigeuner" erwähnt und in den letzten Jahren ist im Programm von den Deportationen der Sinti die Rede.

Erinnerungsgang 2016

Donnerstag, 10. November, 15 Uhr
Beginn im Hof der Landesbibliothek (hinter der Landesbibliothek am Pferdemarkt)
Verlauf durch die Peterstraße, über den Julius-Mosen-Platz, durch die Haarenstraße, die Lange Straße, am Schloss vorbei und durch die Elisabethstraße zum ehemaligen Gefängnis in der Gerichtsstraße.

Welche Termine sind wichtig?

seit Mai | Geocache der FOI 12 | https://coord.info/GC6HZ9T

17. Okt. – 11. Nov. | Schulkino im Cine k | www.cine-k.de

3. – 27. Nov. | Stadtmuseum, Villa Francksen |

Ausstellung: „Widerstände gegen den Nationalsozialismus im Münsterland“

4. – 18. Nov. | BBS Haarentor, Pausenhalle |

Schüler-Ausstellung: „Lebens- und Leidenswege jüdischer SchülerInnen der Handelslehranstalten Oldenburg im Umfeld des Nationalsozialismus“

8. – 19. Nov. | Landesbibliothek am Pferdemarkt, Foyer |

Schüler-Ausstellung: „Chemie im Dritten Reich“

(FOS Gesundheit –Klasse 12) sowie „Jüdische Schülerinnen und Schüer der Handelslehranstalten Oldenburg zwischen Verfolgung und Emigration – Ausgewählte Biographien“.

9. Nov. | 17:30 Uhr | Garnisonkirche, Peterstraße 41 | Ökumenischer Gedenkgottesdienst | anschließend Begegnung in der Jüdischen Gemeinde

10. Nov. | 14 Uhr | Garnisonkirche, Peterstraße 41 | Andacht: „Zukunftsweisend erinnern“ – Einstimmung auf den Erinnerungsgang – gestaltet von Schülerinnen und Schülern der BBS Haarentor

10. Nov. | 15 Uhr |

Erinnerungsgang

Start im Innenhof der Landesbibliothek am Pferdemarkt, Ende im Innenhof des ehemaligen Gefängnisses

13. Nov. | 17 Uhr | St. Stephanus-Kirche |

Musik: „Die Würde des Menschen“ – Musik und Texte zum Erinnerungsgang

23. Nov. | 14 Uhr (Schülerkino) & 19 Uhr (öffentliche Premiere mit Regisseurin ) | Casablanca Kino |

„Wir sind Juden aus Breslau.

Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933“


 

Martin Luther und das Judentum

Fast zeitgleich mit unserer Ausstellung "Katarina Taikon - schwedische Romaaktivistin und Kinderbuchautorin" findet die Ausstellung "Martin Luther und das Judentum" in der Carl von Ossietzky Universität statt. Erfreulich.

Es wird hoffentlich nicht weitere 500 Jahre dauern, bis die Geschichte des Feindbildes "Zigeuner" bei Luther aufgearbeitet wird und die jetzt noch zu spürenden Folgen verringert werden. Hier ein Artikel von Miriam Breß

1. bis 17. November 2016 –

Ausstellung Martin Luther und das Judentum – Rückblick und Aufbruch

an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg im Foyer des Hörsaalzentrums, Uhlhornsweg 86,
Täglich 9 bis 20 Uhr (außer an Sonntagen)

Martin Luther hat ein schwieriges Erbe hinterlassen. In der Anfangszeit der Reformation hat er dafür plädiert, die Juden menschlich zu behandeln. Später hat er sie unerträglich geschmäht und die Anwendung von Gewalt gegen sie gefordert.
Auch sein übriges Schrifttum lässt keinen Raum für jüdisches Leben. Alles Licht fällt auf die Seite des Evangeliums, alles Dunkel auf die jüdische Seite, symbolisiert vom Gesetz ohne Gnade.
Lucas Cranach und seine Schule haben diese Auffassung Luthers auf vielen Bildern umgesetzt. Durch Wort und Bild ist seine negative Sicht der Juden durch die Jahrhunderte hin wirksam geworden. Das jüdische Selbstbild blieb bedeutungslos, obwohl Jesus, wie Luther anfangs betonte, „ein geborner Jude“ war.
Erst nach dem Holocaust haben die evangelischen Kirchen begonnen, sich dem lastenden Erbe von Luthers Judenfeindschaft zu stellen. Hier reiht sich die Ausstellung ein. Sie wird von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Touro College Berlin getragen. Auf ihren Tafeln erhalten jüdische und christliche Perspektiven Raum.

Titelbild: Ausschnitt aus dem Weimarer Altarbild von Lucas Cranach (sen./jun.) mit dem Motiv Gesetz und Evangelium (Stadtkirche St. Peter und Paul, 1555) 

1. November 2016, 20 Uhr, Foyer des Hörsaalzentrums:

Ausstellungseröffnung und Empfang

Vortrag: „… und gehe mit ihnen um nach aller Unbarmherzigkeit“.

Martin Luther und die Juden. Prof. Dr. Andrea Strübind, Universität Oldenburg

Initiatorin für das zeitnahe Zeigen der Ausstellung hier in Oldenburg (16. Oktober bis 18. Dezember 2015 wurde sie in Berlin das erste Mal gezeigt – ein lesenswerter Katalog der Ausstellung (zweite, verbesserte und erweiterte Auflage) ist in der Universität zu erhalten


 

Noch eine fast zeitgleiche Ausstellung in der Nachbarschaft und fast zum gleichen Thema, denn auch die schwedischen Roma haben ihre extreme Unzufriedenheit in den 60/70ern zu Gehör gebracht. Zwangssterilisierung, Wegnahme ihrer Kinder, kein Recht auf Schulbildung und unzumutbare Wohnsituationen führten zu Demonstrationen, ständige Diskussionen im Parlament usw. Künstlerisch haben in den Katitzibüchern die befreundeten Illustratoren, Fotografen und eben die Autorin Katarina Taikon zusammengewirkt...

11.11.16 - 15.01.17:

The Fevered Specters of Art - Die fiebrigen Gespenster der Kunst

11. November - 15. Januar 2017

Eröffnung: Donnerstag, 10. November 2016, 19:00

Die fiebrigen Gespenster der Kunst ist eine Ausstellung über das Verhältnis von Politik und Ästhetik. In der heutigen Zeit anhaltender Krisen, die ebenso politische wie wirtschaftliche Folgen haben, manifestiert sich eine extreme Unzufriedenheit oft in verschiedenen Formen von (nicht) gewaltsamen Protestbewegungen und Aufständen, die Regierungen zu Fall bringen. Dennoch gelingt mit es solchen Aktionen meistens nicht einmal, auch nur kurzfristige strukturelle Veränderungen zu bewirken. Dieses ist der Kontext, um auf den Radikalismus und die antikoloniale Revolution in der Epoche des Kalten Krieges zurückzublicken, in der sich die Ideen und der Glaube an die Möglichkeit eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels rund um den Globus verbreiteten.

Die fiebrigen Gespenster der Kunst präsentiert ein breites Spektrum von Herangehensweisen, die anhand spezifischer Ereignisse und historischer Kontexte einen Überblick über Theorien und Praktiken radikaler Politik der 1960er- und 1970er-Jahre bieten.

Darüber hinaus untersucht das Projekt, wie Künstler die Möglichkeiten neuer politischer Subjekte überdenken und wie komplexe sozialhistorische Bezüge im Bereich der Kunst angemessen hinterfragt und wieder aufgegriffen werden können. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf künstlerischen Strategien, die sich vielfältiger narrativer Strukturen und filmischer Erzählweisen bedienen und dabei auch auf Dokumente und Archive zurückgreifen.

Im Zentrum der Ausstellung stehen aktuelle Kunstwerke, die ein neues Interesse an den revolutionären Ideen der 1960er- und 1970er-Jahre erkennen lassen. Sie konzentrieren sich vor allem auf Aktionen, die politische Vorstellungen gewaltsam zum Ausdruck brachten, um so einen weitreichenden gesellschaftlichen Wandel durchzusetzen. Diese Arbeiten beruhen nicht auf einer nostalgischen Faszination, sondern auf einem analytischen Interesse an radikal fortschrittlichen Ideen sowie auf einem ausgeprägten Bedürfnis, die Gründe zu erforschen, warum viele dieser Bewegungen in der Erreichung ihrer Ziele versagten.

Die Ausstellung Die fiebrigen Gespenster der Kunst wird erweitert durch einen zusätzlichen Raum, den wir das Cabinet nennen, mit einer Auswahl an Werken von Künstlern und Filmemachern, um die umfassende Herangehensweise des Projekts zu verdeutlichen.


 

Und nur weil es in Berlin und nicht in Oldenburg stattfindet, als letzter Beitrag:

Ausstellung:

45 Jahre Bürgerrechtsarbeit

deutscher Sinti und Roma

Noch bis zum 14. November im DokuZ Sinti und Roma (Berlin)

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurden die NS-Verbrechen an Roma und Sinti über Jahrzehnte hinweg beschwiegen und die Überlebenden erneut ausgegrenzt und ins Abseits gedrängt. Die Verantwortlichen des Völkermordes hingegen konnten in vielen Fällen als respektierte Mitglieder der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft weiterleben und ohne Angst vor Bestrafung ihre Karrieren fortsetzen.
Dem Engagement der Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma ist es zu verdanken, dass sich daran etwas geändert hat. Mit aufsehenerregenden Aktionen wie etwa dem Hungerstreik im ehemaligen Konzentrationslager Dachau 1980 verschafften sich die in der Bürgerrechtsbewegung Engagierten Gehör. 1982 erkannte Helmut Schmidt als erster deutscher Spitzenpolitiker den rassistisch motivierten Völkermord an Sinti und Roma als solchen an. Im selben Jahr erfolgte die Gründung des in Heidelberg ansässigen Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.
Der Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma ist es gelungen, die NS-Vergangenheit zum gesellschaftlichen Thema zu machen und immer wieder erfolgreich für die Belange der Minderheit einzutreten.

Nun ist die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung zum ersten Mal Thema einer eigenen Ausstellung: Fotografien aus fünf Jahrzehnten lenken den Blick auf bekannte und weniger bekannte Ereignisse. die Ausstellung leistet damit einen wertvollen Beitrag zur überfälligen Beschäftigung mit diesem Kapitel deutscher und europäischer Zeitgeschichte.

In Anbetracht eines bis heute weit verbreiteten Antiziganismus und der schwierigen Lage von Sinti und Roma in vielen Ländern Europas handelt es sich um die historische Einbettung eines sehr aktuellen Themas. Das Eintreten für Gleichberechtigung und Menschenrechte, von dem die Ausstellung berichtet, ist bis heute notwendig.

Öffnungszeiten: Montag 10:00 – 16:00, Mittwoch 12:00 – 18:00 Uhr und nach Vereinbarung (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) Der Eintritt ist frei.

Adresse: DokuZ Sinti und Roma (Berlin) im Aufbau Haus
Prinzenstraße 84B, 10969 Berlin, (Zugang über die Oranienstraße)